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19. Oktober 2026
Huthi-Angriffe verschärfen Sorgen um Öltransporte
Die Ölfutures starten weicher in die neue Woche, nachdem sie am Freitag noch auf neue Mehrmonatshochs geklettert waren. Auslöser war der Schritt von US-Präsident Donald Trump, Sanktionen und Zölle gegen Russland vorerst auszusetzen, was den Weg für höhere russische Kraftstoffexporte ebnen könnte. Gleichzeitig wägen die Marktteilnehmer die Liefermengen aus dem Nahen Osten und die Verschärfung der Kampfhandlungen in der Region ab.
Während der aktuelle Dezember-Kontrakt bei Brent am Freitagabend noch die 110 Dollar testete, hat er heute früh schon einen großen Teil dieses Preisanstiegs wieder abgegeben. Ungeachtet der Preisberuhigung bleibt die Lage im Nahen Osten aber angespannt: Die Zusammenstöße zwischen den Huthi und der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition werden immer massiver, während die britische Sicherheitsbehörde UKMTO zudem weitere Angriffe auf Tanker im Persischen Golf meldete.
Die verschärften Angriffe auf Handelsschiffe hatten die Rohölexporte aus der Golfregion in der vergangenen Woche drastisch gedrückt. Nach Angaben des Analysehauses Kpler sanken die Mengen im Sieben-Tage-Schnitt von zuvor über 20 Mio. B/T auf rund 8,5 Mio. B/T. Kpler registrierte in diesem Zeitraum mindestens zehn bestätigte Zwischenfälle mit Handelsschiffen.
Dennoch scheint der Ölfluss nicht vollständig abzureißen. US-Energieminister Chris Wright erklärte gegenüber Fox News, dass sich die Rohölströme aus dem Persischen Golf inzwischen wieder auf etwa 80% des Niveaus von vor dem Konflikt erholt hätten. Die Verschiffung von Raffinerieprodukten bleibe jedoch eingeschränkt. Wright betonte, man befinde sich in Gesprächen mit europäischen Verbündeten über eine Freigabe strategischer Dieselreserven.
Brent bewegt sich aus Sicht von June Goh, Senior-Ölmarktanalystin bei Sparta Commodities, derzeit im Spannungsfeld zwischen erhöhten geopolitischen Risiken und wieder anziehenden Liefermengen aus dem Nahen Osten. „Angesichts der trüben Konjunkturaussichten scheinen die Märkte kaum bereit, noch höhere Notierungen mitzutragen“, so Goh. Sie rechnet damit, dass sich Brent vorerst in einer Bandbreite um die 100-Dollar-Marke bewegen dürfte.
Um den Markt zusätzlich zu beruhigen und drohenden Versorgungsengpässen entgegenzuwirken, sorgt die US-Regierung unterdessen an anderer Front für Bewegung: Präsident Donald Trump setzte am späten Freitag per Erlass zentrale Sanktionen und Strafzölle aus dem sogenannten Graham Act aus. Das Gesetzespaket hatte er erst im Vormonat auf Druck von Abgeordneten unterzeichnet, um Moskau wegen des Kriegs in der Ukraine wirtschaftlich zu isolieren.
Der Kurswechsel folgt auf eine Vereinbarung Trumps mit Russland über Diesellieferungen in die USA und Drittländer: Nach Angaben des Präsidenten sollen im laufenden Monat zunächst rund 2,3 Mio. Barrel fließen, ehe das monatliche Volumen auf etwa 7,6 Mio. Barrel steigen soll. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte den Washingtoner Alleingang scharf und warnte vor schweren Rückschlägen für sein Land.
„Die Kombination aus einer weicheren Linie bei den Russland-Sanktionen und Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rallye deckelt das Aufwärtspotenzial kurzfristig“, kommentiert Tim Waterer von KCM Trade die Preisbewegung von Freitag und heute. Zwar könnten die US-Ausnahmeregelungen den Weg für zusätzliche russische Kraftstoffmengen freimachen, die widersprüchlichen Signale aus Washington schürten jedoch neue Zweifel: „Solange Details und zeitlicher Rahmen der Aussetzung im Unklaren liegen, wird der Markt ein dauerhaft höheres Angebot kaum vollständig einpreisen.“
Aus fundamentaler Sicht bleibt die Marktlage damit von starken Unsicherheiten geprägt, während sich bullishe und bearishen Faktoren die Waage halten. So sorgt die Aussicht auf mögliche Entlastungen am Produktmarkt zwar preisdrückend, gleichzeitig bleiben die geopolitischen Krisenherde bestehen und könnten sich in Zukunft weiter verschärfen – auch durch mögliche Deals aus Washington.
16. Oktober 2026
DOE meldet Abbauten bei Rohöl- und Destillatbeständen der USA
Obwohl Brent und WTI heute etwas schwächer in den Handel startete, steuern die Preise der beiden Rohölsorten an den Ölbörsen auf Wochensicht dennoch auf den zweiten Anstieg in Folge zu. Der Markt preist auch weiterhin einen geopolitischen Risikoaufschlag ein.
Die Risiken für das physische Angebot aus den Ländern des Persischen Golfs bleiben der dominierende Preistreiber. So bestätigte das Zentralkommando der US-Streitkräfte (Centcom) am Donnerstag, dass das unter singapurischer Flagge fahrende Containerschiff GFS Pride nach einem Treffer durch ein Geschoss der iranischen Revolutionsgarde beim Abschleppen zur Küste in der Straße von Hormus gesunken ist. Teheran erklärte, die Angriffe als Reaktion auf die US-Blockade seiner Häfen und verschärfte Sanktionen zu intensivieren.
Bei der Eurasia Group geht man davon aus, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran wieder eskalieren dürfte. "Der Status quo der Pattsituation ist für die USA nicht länger trag-bar", begründen die Analysten des Beratungsunternehmens ihre Einschätzung. Auch der fort-währende Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz im Jemen trägt dazu bei, dass die Trader weiterhin einen geopolitischen Risikoaufschlag einpreisen.
Die US-Regierung sowie die Internationale Energieagentur (IEA) versuchen unterdessen, den hohen Preisen entgegenzuwirken. Auf Drängen Washingtons einigten sich die IEA-Mitgliedstaaten darauf, mehr als 20 Mio. Barrel Diesel freizugeben und die verbliebenen 100 Mio. Barrel aus der im März zugesagten Freigabe strategischer Reserven vollständig auf den Markt zu bringen. An den Ölbörsen zeigte dies allerdings bislang kaum Wirkung, da für einen nachhaltigen Preisrückgang eine Beilegung der Konflikte im Nahen Osten nötig wäre. Laut der Analystin Vandana Hari von Vanda Insights könnten die Maßnahmen der IEA und der US-Regierung - zu denen auch bald die Lockerung von US-Sanktionen auf Schattenflottentanker zählen könnten - den Brent-Preis zwischen etwa 104 und 106 Dollar halten.
15. Oktober 2026
API meldet signifikanten Rückgang der US-Rohölvorräte
Die Rohölpreise haben am Donnerstag nachgegeben, nachdem WTI in der vorangegangenen Sitzung noch ein Drei-Wochen-Hoch markiert hatte. Die Marktteilnehmer wägen derzeit die logistischen Risiken im Nahen Osten gegenüber nachlassenden Sorgen über unmittelbare Förderausfälle, schwächere Nachfrageprognosen und US-Überlegungen zur Lockerung von Sanktionen im Hinblick auf Russlands Schattenflotte ab.
Was das Angebot anbelangt, meldete die Internationale Energieagentur (IEA) gestern in ihrem aktuellen Monatsbericht eine Erholung. So sollen die Exporte an Rohöl aus dem Persischen Golf im September um 4,4 Mio. B/T auf rund 75 % des Niveaus vor Beginn des Iran-Kriegs gestiegen sein. Besonders die Vereinigten Arabischen Emirate konnten ihre Produktion sowie ihre Öllieferungen wieder deutlich steigern. Gleichzeitig trübt sich die globale Nachfrage ein. Laut aktuellem IEA-Bericht wird der weltweite Ölverbrauch in diesem Jahr um -2,6 Mio. B/T sinken – 100.000 Barrel pro Tag stärker als noch vor einem Monat geschätzt. Ein Wachstum im Vor-jahresvergleich erwartet die IEA erst wieder ab März. Die OPEC hatte in ihrem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht ihre Prognose zum Nachfragewachstum sogar um -0,2 Mio. B/T gesenkt.
Demgegenüber steht allerdings ein physisch weiterhin angespannter Markt infolge des monatelangen US-Iran-Kriegs, der Brent seit Jahresbeginn um mehr als 70 Prozent steigen ließ: Die weltweiten Vorräte an Land befinden sich laut IEA nahe dem tiefsten Stand seit mindestens einem Jahrzehnt. Die Durchfahrt der Straße von Hormus ist unterdessen weiterhin mit hohen Risiken behaftet. So sanken innerhalb der vergangenen 24 Stunden nahe der wichtigen Meerenge ein Containerschiff und ein Massengutfrachter, nachdem sie in separaten Zwischenfällen von Projektilen getroffen worden waren.
Im Hinblick auf den Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz ist bislang noch unklar, ob und wenn ja, wie stark die anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffe der Miliz in ganz Saudi-Arabien – darunter der jüngste Angriff auf die Aramco-Zentrale – die Ausfuhren des weltgrößten Rohölexporteurs beeinträchtigt haben. "Die Angriffe der Huthi haben nicht die befürchteten gravierenden Lieferengpässe verursacht, was zu einer teilweisen Reduzierung der geopolitischen Risikoprämie geführt hat", meint dazu der Marktbeobachter Takahiro Asaoka vom Itochu Research Institute, der hinzufügt: "Der schwächere Nachfrageausblick der IEA hat den Abwärtsdruck zusätzlich verstärkt.
Für Verkaufsdruck an den Ölbörsen sorgt auch die Meldung, dass die Trump-Administration die Lockerung von Sanktionen gegen Schiffe der russischen Schattenflotte prüfe, um den extrem hohen Frachtraten und den hohen Produktpreisen entgegenzuwirken. Die Gespräche drehen sich laut Regierungsvertretern darum, diesen Schiffen den Transport von „legalem Öl“ zu gestatten.
14. Oktober 2026
Verwaltungsgebäude von Saudi Aramco bei Angriff getroffen
Die Rohölpreise an den Börsen orientierten sich bereits seit Dienstagmittag wieder nach oben. Heute Morgen handeln Brent und WTI im Bereich der Hochs, die sie am Vorabend erreicht hat-ten. Diese haben sie zeitweise auch schon leicht ausgebaut, wobei sich der US-Rohölkontrakt noch nicht oberhalb des psychologisch wichtigen Preisniveaus von 95 Dollar pro Barrel halten konnte.
Die Marktteilnehmer wägen derzeit die akuten Versorgungsrisiken im Nahen Osten gegen die Aussicht auf zusätzliche Dieselmengen aus Russland ab. So gefährdet eine Eskalation der iranischen Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus erneut die Erholung der Öllieferungen aus dem Persischen Golf. Zwar wollen die USA den Transport von mehr als 19 Millionen Barrel Rohöl durch die Meerenge ermöglicht haben, die zunehmenden Angriffe auf Schiffe in der Meerenge veranlassten zuletzt allerdings weitere Supertanker dazu, den Persischen Golf zu meiden.
Zusätzlicher Druck entsteht durch die anhaltenden Angriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien. Am gestrigen Dienstag wurde ein Verwaltungsgebäude am Hauptsitz des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco im Osten des Königreichs getroffen, was einen Brand auslöste. In den Tagen zuvor hatten die Huthi bereits zahlreiche Luftangriffe auf saudische Ziele durchgeführt. So wurde der internationale Flughafen von Riad mehrmals getroffen, darunter am Samstag bei einem Angriff mit 13 Todesopfern. Die Angriffe erfolgen als Vergeltung für die Unterstützung der jemenitischen Regierungstruppen durch Saudi-Arabien, das eine Offensive zur Rückeroberung von Rebellen gehaltenem Territorium gestartet hat.
"Die durch den Konflikt zwischen den Huthi und Saudi-Arabien bedingten Angebotsengpässe treiben die Preise in die Höhe", sagt der Analyst Hiroyuki Kikukawa von Nissan Securities Investment, der jedoch hinzufügt: "Die Erwartung, dass steigende russische Dieselexporte die Marktverknappung verringern werden, dürfte jedoch starke Preisbewegungen in beide Richtungen begrenzen".
Gleichzeitig verzeichnete die saudische Ölförderung trotz logistischer Beeinträchtigungen durch den Konflikt einen merklichen Anstieg: Die Produktion legte im September laut dem aktuellen OPEC-Monatsbericht um rund 0,8 Mio. B/T zu, nachdem sie zuvor auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten gefallen war. Nichtsdestotrotz liegt aber weiterhin deutlich unter dem Niveau, auf dem sie vor Beginn des Iran-Kriegs gelegen hatte.
13. Oktober 2026
Öltanker meiden wieder verstärkt den Persischen Golf
Die Volatilität am Ölmarkt setzt sich fort und so geben die Notierungen an ICE und NYMEX nach ihren gestrigen Gewinnen heute erst einmal wieder nach. Dabei bemühen sich die Marktteilnehmer um Einordnung sowohl altbekannter Risikofaktoren wie der Angebotslage im Nahen Osten, als auch neuer Unsicherheiten wie Donald Trumps Bestrebungen im Russland-Ukraine-Krieg.
Gestern hatte der US-Präsident in diesem Zusammenhang erklärt, Russland habe zugestimmt, die globalen Märkte wieder mit Diesel zu beliefern. Auch die USA selbst haben Sanktionen aus-gesetzt, um russische Ware beziehen zu können – ein Schritt, der nicht nur international starke Kritik auslöste, sondern auch in Washington von Abgeordneten beider Parteien verurteilt wurde. Dennoch könnte er zunächst für eine gewisse Entspannung am angespannten globalen Kraftstoffmarkt sorgen.
Nachhaltig wäre diese Maßnahme aber wohl nur, wenn auch die von Trump so vollmundig verkündete „Energie-Waffenruhe“ Substanz und vor allem Bestand hätte. Daran gebe es aber laut der ING erhebliche Zweifel, „insbesondere angesichts von Berichten, wonach Russland seit Trumps Ankündigung ukrainische Energieanlagen angegriffen hat“.
Unterdessen haben die vom Iran unterstützten Huthi mit einer Serie von Drohnen- und Raketenangriffen auf Saudi-Arabiens wichtigsten Flughafen den Druck auf Washington erhöht, in den Jemen-Konflikt einzugreifen. Die Angriffe erfolgten kurz nachdem von Riad angeführte Kräfte im Jemen eine Offensive zur Rückeroberung von Gebieten unter Huthi-Kontrolle gestartet hatten. Zugleich nehmen die Angriffe auf Tanker in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu. In den vergangenen Tagen haben deshalb immer mehr Supertanker den Persischen Golf gemieden.
„Die Schlagzeilen der letzten Tage haben sich förmlich überschlagen“, sagt Scott Shelton, Energiespezialist bei der TP ICAP Group mit Blick auf Themen wie Trumps „Energie-Waffenruhe“ und die Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien. Die Woche fange aus seiner Sicht „reichlich chaotisch“ an.
Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade, sieht das ähnlich: „Neue Diesellieferungen aus Russland und stabilere Mengen aus Saudi-Arabien sorgen zwar für etwas Entspannung. Trotzdem wiegt die Sorge vor weiteren Angriffen auf Schiffe oder Pipelines in der Golfregion am Markt derzeit deutlich schwerer als die Beruhigung durch ein paar zusätzliche Barrel.“
Unabhängig von all diesen fundamentalen Unsicherheiten, die den Markt aktuell im Griff haben, warten die Anleger heute noch auf den OPEC-Monatsreport, der am Nachmittag erwartet wird. Laut OPEC-Generalsekretär Haitham Al Ghais hat die Gruppe ihre Prognose für das Ölnachfragewachstum in diesem Jahr von 1,4 Mio. B/T zu Jahresbeginn auf 400.000 Mio. B/T nach unten korrigiert.
12. Oktober 2026
Hurrikan-Center: Isaias verschont US-Ölförderung weitgehend
Die Ölfutures geben zum Auftakt in die neue Woche erst einmal deutlich nach und setzen damit die Volatilität der vergangenen Handelswochen fort. Am Markt wägt man unterdessen die anhaltend stabilen Lieferströme aus dem Nahen Osten gegen die wachsenden regionalen Spannungen sowie US-Aussagen über eine angebliche „Energie-Waffenruhe“ zwischen Russland und der Ukraine ab
So bleibt eine gewisse Skepsis der Marktteilnehmer gegenüber Trumps Behauptungen zu der angeblichen Einigung zwischen Moskau und Kiew spürbar. Einen ähnlichen Waffenstillstand hatte er immerhin bereits im vergangenen Monat verkündet, ohne dass diese Behauptung Substanz gehabt hätte. Zu einer tatsächlich spürbaren Marktreaktion führte da eher die Bestätigung Russlands zu den – ebenfalls von Donald Trump im Vorfeld angekündigten – Export-Lockerungen für russischen Diesel.
Der Kreml teilte am Wocheneden mit, nach der Aufhebung eines teilweisen Exportverbots 500.000 Tonnen Diesel ausliefern zu wollen. Nach Daten von Kpler ist dies jedoch nur ein Bruchteil der 28,6 Mio. Tonnen, die das Land im vergangenen Jahr exportiert hatte. Entsprechend bleiben auch in diesem Zusammenhang Zweifel bei den Marktteilnehmern bestehen.
Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade, kommentiert im Bezug auf den angeblichen Energie-Angriffsstopp, dass die Ankündigungen den unmittelbaren Druck auf die Angebotsseite zwar etwas verringert habe, Zweifel an der Gültigkeit und Dauerhaftigkeit einer solchen Waffenruhe aber weiterhin bestehen blieben. „Ohne klarere Beweise für ein stabiles Abkommen dürfte das Ausmaß des Preisrückgangs voraussichtlich begrenzt bleiben“, so der Analyst.
Die Internationale Energieagentur IEA hat die Regierungen der Welt unterdessen erneut aufgefordert, die zugesagten Dieselfreigaben zu beschleunigen und mögliche zusätzliche Lieferungen an den Markt zu prüfen. Die aktuelle Lage erfordere sofortige Aufmerksamkeit, appellierte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol am Wochenende eindringlich.
Unterdessen bleibt der Konflikt im Nahen Osten weiterhin ein Risikofaktor, der dafür sorgt, dass Brent auch weiterhin oberhalb von 100 Dollar notiert. Vor allem der Angriff der Huthi auf den internationalen Flughafen in Riad am Wochenende, bei dem 13 Menschen ums Leben ka-men, hat erneut für eine Verschärfung der Sicherheitslage in der gesamten Region geführt. Die USA erklärten am Samstag, eine Beteiligung an den saudischen Luftschlägen gegen die Huthi sei denkbar – eine Ausweitung des Krieges mit dem Iran, den die USA und Israel im Februar begonnen hatten.
Darüber hinaus wurden zuletzt auch wieder neue Angriffe auf Tankschiffe gemeldet, die die Straße von Hormus passieren, was die im September beobachtete Erholung der Rohölexporte aus dem Nahen Osten zu dämpfen droht. Vor diesem Hintergrund hob die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Brent-Preisprognose für Dezember von zuvor 85 auf 90 Dollar je Barrel an.
Die Analysten behielten ihr Basisszenario bei, wonach die fortschreitende Anpassung des Nahost-Angebots die Rohölpreise letztlich senken werde, während eine mögliche erneute Eskalation weiterhin ein erhebliches Aufwärtsrisiko darstellt. Die Risikoprämie liegt laut der Goldmänner bei etwa 20 Dollar pro Barrel. Für die Sorte WTI, die aufgrund hoher Frachtkosten zwischen den USA und Europa im Vergleich zu Brent ungewöhnlich niedrig notiert, prognostizieren sie einen Durchschnittspreis von 81 Dollar im Dezember 2026 sowie 73 Dollar im Jahr 2027.
8. Oktober 2026
Regierungskreise: US-Militärschlag gegen Iran bereits vor Zwischenwahlen möglich
Die Rohölpreise an ICE und NYMEX gaben am gestrigen Mittwoch nach, wobei sich der Nordsee-Rohölkontrakt Brent jedoch oberhalb der psychologisch wichtigen Preismarke von 100 Dollar pro Barrel halten konnte. WTI blieb dagegen unterhalb von 90 Dollar. Heute Morgen zogen die Notierungen allerdings wieder an, wobei sie Auftrieb durch Sorgen über einen möglichen US-Militärschlag gegen den Iran, die zuletzt zunehmenden Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf und Produktionsausfälle im Golf von Mexiko erhielten.
Die Befürchtung, dass es schon bald zu einem weiteren Militärschlag der USA gegen den Iran kommen könnte, sorgte heute Morgen dafür, dass die Trader wieder einen gewissen geopolitischen Risikoaufschlag einpreisten. Ob es tatsächlich noch vor den US-Zwischenwahlen am 3. November dazu kommt und welche Ziele betroffen sein könnten, darüber berät sich die Trump-Regierung derzeit angeblich noch. Der Markt bezieht die Möglichkeit allerdings in seine Preiskalkulationen bereits mit ein.
Auch die zahlreichen Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus, zu denen es im Oktober bisher bereits gekommen ist, beunruhigen die Marktteilnehmer. So wurde gestern erst wieder von der britischen Schifffahrtsbehörde UKMTO gemeldet, dass ein Tanker in der Meerenge nördlich von Katar von mehreren Projektilen getroffen worden sei. Zugleich fließt wieder mehr Rohöl aus der Golfregion, allerdings laut Marktbeobachtern bei deutlich höheren Kosten und Risiken für Ladung und Besatzungen.
Was die Versorgungslage in den USA anbelangt, meldete das DOE gestern für die Woche zum 2. Oktober einen stärker als erwarteten Rückgang der landesweiten Rohölbestände. Die Destillatbestände, darunter Diesel und Kerosin, gingen zwar nur um 42.000 Barrel zurück, angesichts des bereits zuvor sehr niedrigen Bestandsniveaus blieben sie mit insgesamt 105,14 Millionen Barrel deutlich unter dem durchschnittlichen Niveau, das in den Referenzwochen der vergangenen fünf Jahre gemeldet worden war. Hinzu kommt, dass im Golf von Mexiko wegen des herannahenden Sturms Isaias, der sich mittlerweile zu einem Hurrikan der Kategorie 1 entwickelt hat, mehr als 510.000 Barrel der täglichen Offshore-Produktion vor der US-Golfküste stillgelegt wurde, was etwa einem Viertel dessen entspricht, was üblicherweise in dem Gebiet gefördert wird.
Die Beschleunigung der Freigabe von Notreserven und der Priorisierung von Diesel, die die Internationale Energieagentur (IEA) am gestrigen Mittwoch beschloss, wirkt den preistreibenden Faktoren derzeit nur bedingt entgegen. "Letztendlich können Freigaben strategischer Bestände die Versorgungsströme vorübergehend aufstocken, schaffen jedoch keine neuen Produktionskapazitäten", erklärt dazu der Analyst Daniel Hynes von der ANZ Bank in einer Mitteilung.
7. Oktober 2026
Iran verstärkt Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus
Die Rohölpreise setzen am Mittwoch ihren Aufwärtstrend fort, nachdem sie schon gestern erste Gewinnmitnahmen in der zweiten Tageshälfte wieder umgekehrt hatten. Die Händler wägen derzeit akute Risiken für die US-Förderung gegen eine fragile Erholung der nahöstlichen Exportströme ab und die grundsätzlichen geopolitischen Unsicherheiten in der Region ab.
Neben neuer Angriffe im Persischen Golf sorgt zur Wochenmitte auch einmal mehr das Wetter für Preisdruck, denn ein heraufziehendes Tief im Golf von Mexiko könnte bis Donnerstag oder Freitag Hurrikanstärke erreichen.
Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade, bezeichnete den Sturm als „unerwünschte zusätzliche Belastung für das Rohöl“, die das Risiko neuer Ausfälle bringe, während der Markt ohnehin unter Angebotsengpässen leide. Erste Konzerne wie Chevron evakuieren bereits ihre Offshore-Plattformen. Es bleibt nun abzuwarten, wie lang und wie umfangreich die Ausfälle sein werden.
Parallel dazu bleibt die Lage im Nahen Osten ein anhaltender Unsicherheitsfaktor. Die Analysten der ING warnen: „Vorerst dürfte der Markt weiterhin empfindlich auf potenzielle Versorgungsunterbrechungen reagieren.“ Trotz einer partiellen Erholung der Tankerrouten durch die Straße von Hormus halten wiederholte Schiffs- und Drohnenangriffe die Risikoprämien hoch.
Haris Khurshid, Chefanlagestratege bei Karobaar Capital, dämpft deshalb auch die Zuversicht über steigende Exportvolumina: Der Markt glaube zwar zunehmend an einen ungehinderten Durchfluss der Barrel, wegen erschöpfter Lager und knapper Dieselvorräte habe der physische Markt jedoch „deutlich weniger Puffer, als die Schlagzeilen zu den Exportzahlen vermuten lassen“.
Um der knappen Angebotslage Herr zu werden, war erst kürzlich eine weitere Freigabe aus den Notfallreserven beschlossen worden. Die Internationale Energieagentur IEA will am Mittwoch Gespräche über diese von den G7 Staaten zugesagte Notfreigabe von bis zu 100 Mio. Barrel Diesel und Rohöl führen. Die solle mehr Klarheit über das weitere Vorgehen schaffen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Die Marktteilnehmer warten darüber hinaus heute noch auf die DOE-Bestandsdaten, die am Nachmittag um 16:30 Uhr auf dem Programm stehen. Auch sie könnten Impulse an den Markt geben, sollten sie eine Verschärfung der akuten Angebotsknappheit – vor allem bei den Produkten – anzeigen. Zuletzt waren die ohnehin extrem niedrigen Bestände hier weiter zurückgegangen.
6. Oktober 2026
Golf-Exporte erholen sich trotz anhaltender Sicherheitsrisiken
Nach ihrem gestrigen Rückgang um rund 2% stabilisieren sich die Ölpreise heute erst einmal wieder. Steigende Exporte aus dem Persischen Golf, die neuerliche Freigabe von G7-Notfallreserven und die jüngsten Preissenkung Saudi-Arabiens sprechen für eine entspanntere Versorgungslage. Die Sicherheitsrisiken im Nahen Osten sorgen jedoch weiter für einen geopolitischen Risikoaufschlag.
„Schifffahrtsdaten zeigen, dass die Rohölexporte aus der Region an mehreren Tagen Ende September sogar über dem Vorkriegsniveau lagen. Dank alternativer Routen und logistischer Anpassungen konnten die Produzenten trotz der Störungen rund um die Straße von Hormus offenbar weiter Öl transportieren“, sagte Priyanka Sachdeva, Leiterin der Marktanalyse bei Phillip Nova.
Von einer vollständigen Normalisierung der Versorgung könne jedoch noch keine Rede sein, fügte sie hinzu. In der Nähe der Straße von Hormus seien erneut Tanker angegriffen worden; die Zahl der Vorfälle habe zuletzt zugenommen. „Es fließt zwar weiterhin Öl, doch Transportkosten und Versicherungsprämien sowie die Risiken bei Routenwahl und Sicherheit bleiben erhöht.“
Ähnlich schätzt auch Naohiro Niimura von Market Risk Advisory Co. die Lage ein: „Die wieder anziehenden Lieferströme, die Preissenkungen Saudi-Arabiens und die Freigabe von Notfallreserven setzen die Rohölpreise unter Druck. Die eskalierenden Kämpfe im Jemen und das Risiko weiterer Angriffe begrenzen jedoch den Rückgang. Die Sorgen um das Angebot bleiben bestehen. Deshalb dürfte es dem Markt schwerfallen, länger an Positionen festzuhalten, die auf fallende Preise setzen.“
Die Ölexporte aus den Golfstaaten (ohne Iran) erreichten im September mehr als 81% des Vorkriegsniveaus, wie aus aktuellen Schiffsdaten hervorgeht. Dazu trug vor allem die Erholung der saudischen Ausfuhren bei, die trotz der Ausfälle ihrer Ost-West-Pipeline die Exportmengen über die Straße von Hormus hatten steigern können.
Die G7-Staaten einigten sich unterdessen noch am Freitag darauf, 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Notfallreserven freizugeben (05.10.2026 G7-Staaten geben 100 Mio. Bar-rel aus strategischen Reserven frei). Zudem sagten sie zu, auf Beschränkungen für Energieexporte zu verzichten. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor in diese Richtung Druck ausgeübt und Deutschland und Frankreich mit einem Exportstopp von Diesel und Benzin gedroht.
Heute Abend eröffnet die EIA dann noch den Dreiklang der Oktober-Marktberichte mit ihrem aktuellen Monatsreport. Der Bericht enthält auch Prognosen zur Kraftstoffversorgung für die Wintersaison auf der Nordhalbkugel. Er dürfte den Marktteilnehmern also neue Hinweise über die Lage bei Diesel und Heizöl geben – in einer Phase der starken Marktverknappung, in der die Preise neue Rekordstände erreicht haben.
Um die Kosten im eigenen Land zu senken, hat US-Präsident Donald Trump zudem die Beschränkungen für steuerbegünstigten, eingefärbten Diesel gelockert. Die seit Langem erwarte-te Maßnahme kommt vor den Zwischenwahlen im November und ermöglicht eine breitere Nutzung des Kraftstoffs. „Man muss sich fragen, ob die Iraner versuchen werden, die Zeit bis zu den Zwischenwahlen auszunutzen“, kommentiert Robert Yawger von Mizuho Securities. „Die Lage ist gefährlich – und hohe Energiepreise sind der Preis, den man dafür zahlen muss.“
5. Oktober 2026
G7-Staaten geben 100 Mio. Barrel aus strategischen Reserven frei
Während der Preis der Nordsee-Rohölsorte Brent in der vergangenen Woche wieder zulegte, gab der für die US-Rohölsorte WTI die dritte Woche in Folge nach. So startet Brent heute Morgen oberhalb von 100 Dollar in die neue Handelswoche, orientiert sich allerdings - wie auch WTI - derzeit nach unten.
Eine Erholung der Liefermengen aus dem Nahen Osten und die am Freitagabend angekündigte Freigabe strategischer Reserven durch die G7 dämpften die Sorgen bezüglich Angebotsengpässen. Die G7-Staaten wollen 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus Notreserven freigeben, sodass es nicht zu einem US-Exportverbot für Diesel kommen soll.
Auch die Rohölausfuhren aus dem Nahen Osten nahmen zu: In vier der sieben Tage der letzten Septemberwoche lagen sie laut Schifffahrtsdaten über dem Niveau, auf dem sie sich vor Beginn des Iran-Kriegs befunden hatten – trotz weiterer Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus.
"Diese Kombination reicht vorerst aus, um die Preise zu dämpfen, auch wenn die Risiken weiterer Schäden an der Energieinfrastruktur in der Golfregion nicht verschwunden sind", erklärt der Analyst Tim Waterer von KCM Trade die Abwärtsbewegung, zu der es an den Ölbörsen heu-te Morgen gekommen ist.
Hinzu kommt die Tatsache, dass das staatliche saudische Ölunternehmen Aramco die Preise für seine Rohölexporte nach Asien für November deutlich gesenkt hat. Mittelfristig könnte sich dies allerdings auch preisstützend auswirken, da Experten davon ausgehen, dass das Unternehmen dadurch die zuletzt hohen Frachtkosten ausgleichen will. Hatten einige Analysten vergangene Woche noch prognostiziert, dass der jüngste Anstieg der Rohölimporte Chinas bald schon wie-der vorbei sein könnte, könnten die niedrigeren Exportpreise der Saudis einige Käufer aus dem Reich der Mitte vielleicht doch noch dazu veranlassen, höhere Mengen zu importieren.
Unterdessen bleiben die Risiken für die Energieinfrastruktur in der Golfregion bleiben bestehen. So gab die Huthi-Miliz an, Raketen und Drohnen auf Standorte der Saudi Aramco in Riad und im Gebiet Khurais abgefeuert zu haben, was bislang jedoch seitens des Unternehmens noch nicht bestätigt wurde. Darüber hinaus kündigte die international anerkannte, von Saudi-Arabien unterstützte Regierung Jemens eine größere Militäroffensive in den von den Huthi kontrollierten Gebieten an.


