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News Übersicht

6. März 2026

USA gewähren Indien bei Russland-Sanktionen Ausnahmen

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat den Rohölpreisen an ICE und NYMEX in dieser Woche zu einem signifikanten Anstieg und neuen Langzeithochs verholfen. Während WTI gestern erstmals seit Mitte Januar 2025 wieder ein Settlement oberhalb von 80 Dollar verzeichnete, gelang Brent zum ersten Mal seit Juli 2024 wieder ein Settlement oberhalb von 85 Dollar. Die Möglichkeit einer Intervention der US-Regierung an den Terminmärkten für Öl sorgten heute Morgen allerdings zunächst dafür, dass die beiden Rohölkontrakte unterhalb der genannten psychologisch wichtigen Preisniveaus starteten.
Sollte die US-Regierung vor dem Wochenende noch konkrete Massnahmen verkünden, könnte dies die Ölfutures an den Börsen am letzten Handelstag der Woche noch massgeblich beeinflussen. Bereits durchgewunken wurde am gestrigen Donnerstag derweil eine Ausnahmegenehmigung für Indiens Rohölimporte aus Russland, die allerdings nur für März gilt und auch nur für Öl, dass bereits auf dem Weg ist.
Unterdessen tickt für die Ölproduzenten im Nahen Osten die Uhr, da sich deren Lager aufgrund der über die Straße von Hormus nicht mehr möglichen Exporte füllen. So werden die Ölfutures weniger durch tatsächliche Schäden an den Ölanlagen gestützt, sondern vielmehr durch die Drosselung der Produktion, zu denen die sich füllenden Lager einige Länder besonders den Irak veranlassen.
Ob die US-Regierung, wie bereits im Frühjahr 2022 - nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine erneut Mengen aus den strategischen Reserven freigeben wird, um das weltweite Angebot zu erhöhen, bleibt abzuwarten. Die Massnahme steht offenbar zwar zur Debatte, verabschiedet wurde sie jedoch noch nicht.
So könnten die aktuell hohen Preisniveaus laut der Analystin Samantha Dart von der Investmentbank Goldman Sachs noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Angenommen, der Ölfluss durch die Strasse von Hormus bleibt weitere fünf Wochen sehr gering, so eine Beispielrechnung Darts bei einem Interview mit dem Sender Bloomberg Television, in dem sie fortfährt: Dann wäre es möglich, dass der Brent-Preis die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschreitet.
Aktuell lässt Brent erst einmal wieder die 85 Dollar-Marke hinter sich und nähert sich allmählich wie auch WTI dem Hoch von Donnerstag. Gasoil hat bis zum Vortageshoch noch mehr Spielraum. Dennoch zeichnet sich bei den Inlandspreisen derzeit im Vergleich zu gestern leichtes Aufwärtspotenzial ab.

5. März 2026

China stoppt Treibstoffexporte wegen Iran-Krieg

Weiterhin bleibt der Krieg im Iran und all seine Auswirkungen das Hauptthema am Ölmarkt. Nach der gestrigen Verschnaufpause legen die Kurse an ICE und NYMEX heute auch schon wieder zu und setzen ihre Preisrally fort. Grund für den Anstieg ist dabei vor allem die Blockade der Straße von Hormus.

Die abrupte Exportunterbrechung – üblicherweise werden täglich über 20 Mio. Barrel an Rohöl und Produkten durch die Wasserstraße transportiert – macht sich inzwischen vielfach bemerkbar. So hat der Irak, der zweitgrößte Rohölproduzent innerhalb der OPEC, hat seine Förderung um fast 1,5 Mio. B/T reduziert, da die Lagerkapazitäten knapp werden.

Katar, der größte Produzent von Flüssigerdgas (LNG) am Golf, hatte schon am Dienstag seine Produktion eingestellt und erklärte am Mittwoch „Force Majeure“ für seine Gasexporte. Branchenquellen zufolge könnte es mindestens einen Monat dauern, bis die Produktion wieder auf das übliche Niveau zurückkehrt.

Unterdessen beschießt der Iran weiter Schiffe in der gesamten Golf-Region. So meldete die britische Marienaufsicht (UKMTO) erst gestern wieder eine Explosion an einem Tanker vor der Küste Kuwaits. Teheran hatte wiederholt gedroht, jedes Schiff anzugreifen, das versucht, die Straße von Hormus zu passieren. Schätzungen zufolge stecken derzeit rund 329 Öltanker im Golf fest.

Nach Einschätzung von Analysten der Großbank J.P. Morgan bleibe das Risiko für die Schifffahrt zwar extrem hoch, allerdings habe der Iran bislang weitgehend darauf verzichtet, die kritischste Energieinfrastruktur direkt anzugreifen. „Die vorhandenen Lagerkapazitäten in den Staaten des Golf-Kooperationsrats [Saudi-Arabien, VAE, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain, Anm. d.Red.] sowie die aktuellen Energiepreise begrenzen die mögliche Dauer der US-Militäroperation“, glauben die Analysten.

Sie weisen darauf hin, dass im Falle einer Öffnung der Straße von Hormus recht schnell wieder Normalbetrieb hergestellt werden könne. Die meisten Ölfelder wären innerhalb weniger Tage wieder online, während die volle Förderkapazität in der Regel nach zwei bis drei Wochen erreicht werde, so die Experten.

Noch sieht es aber nicht danach aus, dass ein Ende der Sperrung oder der Kampfhandlungen im Nahen Osten greifbar wäre. Entsprechend hoch bleibt der Risikoaufschlag, den die Anleger einpreisen, und auch die Angst vor lang anhaltenden Angebotsunterbrechungen, die das ge-samte Ölmarktgefüge heftig durcheinanderwirbeln würden.

3. März 2026

Iran: Jedes Schiff in Straße von Hormus potenzielles Ziel

Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA bzw. Israel und dem Iran führte Anfang der Woche zu einem massiven Preissprung an den Öl- und Gasbörsen. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Rohölsorte Brent kostete zum gestrigen Settlementzeitpunkt fast 5 Dollar mehr als noch beim Settlement am Freitag. Damit lag der Settlementpreis von Brent allerdings wieder unterhalb des psychologisch wichtigen Preisniveaus von 80 Dollar, das der Kontrakt am frühen Montagmorgen noch weit überschritten hatte. Heute Morgen legen die Kontrakte an ICE und NYMEX aber schon wieder zu.

"Da eine schnelle Deeskalation nicht in Sicht ist, die Straße von Hormus faktisch geschlossen ist und der Iran die Bereitschaft zeigt, die Energieinfrastruktur in der Region anzugreifen, bleiben Aufwärtsrisiken bestehen und nehmen mit der Dauer des Konflikts zu“, erklärt der Analyst Tony Sycamore von IG zum derzeit wohl stärksten preistreibenden Faktor in einer Mitteilung.

Aus Teheran hieß es nun, jedes Schiff, in der Meerenge, die im Normalfall täglich von Tankern durchfahren wird, die bis zu 21 Mio. Barrel Öl und 20 % des weltweiten Bedarfs an Flüssiggas geladen haben, sei ein potenzielles Ziel. Dementsprechend werden die Reedereien so gut es geht versuchen, die Tanker über andere Routen zu ihren Bestimmungsorten zu schicken, was längere Transportzeiten und damit auch höhere -kosten bedeutet. Schätzungen der Investmentbank JP Morgan zufolge sollen allein die Rohölexporte über die Meerenge bereits auf 4 Mio. B/T gesunken sein, was gerade mal einem Viertel dessen entspricht, was laut der Bank normalerweise über diese Route ausgeführt wird.

Die angekündigte Wiederaufnahme der Produktionssteigerung der acht OPEC+-Länder, die ihre Förderung seit Anfang 2024 stärker gekürzt hatten als nötig, dämpft diesen bullishen Aspekt aktuell kaum. Dies liegt einerseits daran, dass die sogenannten OPEC8+ die Rückführung der freiwilligen Kürzungen erst zum April wieder aufnehmen werden und andererseits daran, dass die Frage ist, wie viel von den angekündigten 206.000 B/T überhaupt zu einem Anstieg des weltweiten Angebots beitragen. Nicht nur, dass Produktionseinbußen in anderen OPEC+-Ländern den Angebotszuwachs dezimieren könnten, auch dürfte es für einige der acht Länder bei einer fortwährenden Sperrung der Straße von Hormus schwer werden, die zusätzlichen Fördermengen zu exportieren.

Zahlreiche Analysten versuchen derzeit, ihre Preiserwartungen auf die Situation abzustimmen. So rechnet man beispielsweise bei Wood Mackenzie damit, dass der Rohölpreis über 100 Dollar pro Barrel steigen könnte, sollte der Weg durch die Straße von Hormus nicht bald wieder frei werden. Die Analysten von Bernstein korrigierten derweil ihre Preisprognose für Brent für das laufende Jahr auf 80 Dollar pro Barrel nach oben, was einer Aufwärtskorrektur um 15 Dollar zur vorherigen Erwartung entspricht. Sollte der Konflikt allerdings wesentlich länger andauern als bislang angenommen, halten sie sogar einen Preisanstieg auf 120 bis 150 Dollar pro Barrel für möglich.

US-Präsident Trump hatte zunächst angegeben, der Krieg gegen den Iran dürfte etwa vier Wochen dauern. Er selbst und auch US-Außenminister Pete Hegseth haben jedoch mittlerweile auch bereits von einem etwas längeren Zeitraum gesprochen. Die Frage ist außerdem, wie stark die Erdgas- und Ölförderung der Region noch durch den Konflikt in Mitleidenschaft gezogen werden wird. Erste Unternehmen haben den Produktionsbetrieb an ihren Anlagen bereits aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Wie viele noch hinzukommen bleibt abzuwarten.

27. Februar 2026

USA/Iran: Gespräche sollen weiter gehen Militärischer Druck bleibt hoch

Nach einem extrem volatilen Donnerstag scheinen sich die Ölbörsen heute erst einmal wieder zu stabilisieren, nachdem die USA und der Iran ihre Atomgespräche in der kommenden Woche fortsetzen wollen. Gleichzeitig richtet sich ein Teil der Aufmerksamkeit am Markt nun auch wieder auf die OPEC+, die am Sonntag eine erneute Ausweitung der Fördermengen beschliessen dürfte.
Die gestrige Verhandlungsrunde zwischen Teheran und Washington hatte zwar keinen Durchbruch gebracht, aber auch (noch) nicht die befürchtete Militäreskalation. Dennoch bleibt das Risiko hoch, denn vieles deutet darauf hin, dass vor allem das Thema Urananreicherung eine kaum zu überwindende Hürde bleibt. Die Vereinigten Staaten wollen hier keine Kompromisse machen, denn sie befürchten, dass der Iran eine Atombombe bauen könnte. Teheran bestreitet das vehement.
US-Präsident Trump hat die grösste militärische Aufrüstung im Nahen Osten seit dem Zweiten Golfkrieg 2003 angeordnet und dem Iran immer wieder mit Angriffen gedroht, sollte es nicht zu einer Einigung kommen. Gleichzeitig hatte er jedoch auch wiederholt seine Präferenz für eine diplomatische Lösung signalisiert. In der vergangenen Woche hatte er Teheran eine Frist von zehn bis 15 Tagen für ein Abkommen gesetzt.
Haris Khurshid, Chief Investment Officer bei Karobaar Capital, kommentiert die gestrigen Gespräche folgendermassen: Es gibt keinen neuen Schock, und sowohl Eskalation als auch Diplomatie stehen weiterhin im Raum. Er rechnet jedoch auch weiterhin mit hoher Volatilität, die er mit dem Schwanken zwischen wachsendem Risiko und gleichzeitig ausbleibenden Verknappungen am physischen Markt begründet.
June Goh, leitende Analystin bei Sparta Commodities, erklärte, der Ton der Gespräche deute auf geringe Kompromissbereitschaft beider Seiten hin. Die Wahrscheinlichkeit eines US-Militärschlags gegen den Iran steige, wenngleich ein etwaiger Einsatz wohl begrenzt bliebe. Händler verharren vor dem Wochenende in einer abwartenden Haltung einerseits angesichts zunehmender Spannungen mit dem Iran, andererseits mit Blick auf das OPEC+-Treffen am Sonntag, bei dem eine Produktionsanhebung wahrscheinlich ist, fügt sie an.
Überraschungen dürfte es bei dem OPEC+ Meeting wohl keine geben, denn die Signale im Vorfeld waren klar. Schon letztes Jahr hatten die acht Länder, die sich an freiwilligen Zusatzkürzungen beteiligen, angekündigt, nach einer Pause im nachfrageschwächsten ersten Quartal ab April wieder mit dem Abbau der freiwilligen Kürzungen zu beginnen. Zuletzt hiess es aus Insiderkreisen, dass am Sonntag wahrscheinlich eine Förderanhebung um 137.000 ab April beschlossen werden dürfte.

26. Februar 2026

Nahost-Produzenten wappnen sich gegen US-Militärschlag gegen Iran

Der heutige Donnerstag dürfte ganz im Zeichen der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Genf stehen. Dort will die iranische Delegation der amerikanischen heute über Vermittler die Punkte präsentieren, bei denen Teheran Washington im Hinblick auf sein Atomprogramm entgegenkommen würde.

Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING Groep NV in Singapur geht davon aus, dass die Marktteilnehmer derzeit bei Rohöl noch einen geopolitischen Risikoaufschlag von bis zu 10 US-Dollar pro Barrel einpreisen. Seiner Meinung nach werden die Ergebnisse der heutigen Verhandlungen in Genf "die Ölpreisentwicklung maßgeblich beeinflussen", sodass im Vorfeld eher mit Zurückhaltung zu rechnen sei. Bei der ING ist man allerdings auch der Ansicht, dass der Markt nicht sofort in die Vollen gehen wird, sollten die Gespräche scheitern, sondern erst einmal abwarten dürfte, "bis das Ausmaß potenzieller US-Maßnahmen gegen den Iran deutlicher wird."

Nach Einschätzung des Analysten Toshitaka Tazawa von Fujitomi Securities dürfte der Preis der US-Rohölsorte WTI im Falle einer militärischen Auseinandersetzung vorübergehend auf über 70 US-Dollar pro Barrel steigen. Sofern die USA nur eine begrenzte Anzahl an Zielen ins Visier nehmen und der Militärschlag von kurzer Dauer sei, sollte der Preis von WTI laut Tazawa jedoch wieder in den Bereich von 60 bis 65 US-Dollar zurückfallen.

Eine große Unbekannte in der Gleichung bleibt allerdings die Reaktion Teherans auf einen US-Militärschlag. Dabei steht vor allem die Blockade der Straße von Hormus im Vordergrund, auf die sich viele Produzenten in der Region offenbar bereits vorbereiten. Die Frage ist zudem, wie die OPEC+ auf einen militärischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran und daraus möglicherweise entstehende Angebotsausfälle reagieren würde. Die nächste Sitzung der Allianz, bei der die Produktionsstrategie für April abgestimmt werden wird, findet am Sonntag statt.

Die Versorgungslage in den USA wurde durch die Geopolitik zuletzt in den Hintergrund gedrängt, wobei Schneestürme und Kältewellen in den vergangenen Wochen jenseits des Atlantiks ohnehin für Ausnahmesituationen gesorgt hatten. Wie stark diese die Preise noch beeinflussen werden, dürfte nicht zuletzt auch davon abhängen, wie lange sie nachwirken.

25. Februar 2026

US-Rohölvorräte laut API beträchtlich gestiegen

Die Rohölpreise an den Ölbörsen gaben am Dienstag leicht nach, blieben dabei allerdings weit oberhalb der Tiefs von letzter Woche. Am Markt ist man gespannt auf die nächste Runde der indirekten Verhandlungen zwischen den USA und Iran, die am morgigen Donnerstag in Genf stattfinden soll. So ganz überzeugt scheint man allerdings nicht zu sein, dass es zu einer Einigung kommen wird, vielmehr sind die Marktteilnehmer besorgt über das enorme Militäraufgebot, das die USA mittlerweile im Nahen Osten positioniert haben, sowie Militärübungen der Iranischen Revolutionsgarden.

Nachdem ein Bericht der US-Tageszeitung Washington Post über weitere Entsendungen von amerikanischen Streitkräften in die Region nach der jüngsten Runde an Verhandlungen gestern die Ölfutures zeitweise ebenso gestützt hatte wie die Meldung über eine hybride Militärübung der Iranischen Revolutionsgarden im Süden Irans und auf den Inseln im Persischen Golf, hatte US-Präsident Trump in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress am Dienstagabend keine weiteren Aussagen dazu gemacht, was er im Hinblick auf den Iran vorhat. Stattdessen betonte er nur, dass Teheran auf keinen Fall dazu im Stande sein dürfe, eine Atombombe zu bauen.

Auch im Hinblick auf die Ukraine-Friedensverhandlungen hielt sich Trump bedeckt, was wohl nicht verwunderlich ist, bedenkt man, dass er zu Beginn seiner aktuellen Amtszeit noch getönt hatte, innerhalb von 24 Stunden für ein Ende des Kriegs zu sorgen. Stattdessen hatte er den beiden Kriegsparteien zuletzt bis Juni gegeben, um ein Friedensabkommen abzuschließen. Derweil wird das russische Ölangebot weiterhin durch die Sanktionen des Westens eingeschränkt, wobei das Vereinigte Königreich gestern noch einmal umfangreiche Sanktionen verhängt haben, wohingegen sich die EU-Länder nicht auf ein weiteres Sanktionspaket einigen konnten.

Noch bevor die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in die nächste Runde gehen, stehen heute Nachmittag die offiziellen Ölbestandsdaten des US-Energieministeriums für die Woche zum 20. Februar auf der Agenda. Das API hatte in seinen Bestandsschätzungen gestern einen signifikanten Anstieg der landesweiten Rohölvorräte gemeldet, wohingegen die Benzin- und Dieselvorräte abgenommen haben sollen. Sollte das DOE die umfangreichen Aufbauten bei Rohöl bestätigen, dürfte dies die Ölfutures noch einmal unter Druck setzen, wobei sich die Verluste vor den USA/Iran-Verhandlungen letzten Endes in Grenzen halten sollten, zumal die Trader bereits gespannt sein dürften, wie sich der jüngste Schneesturm im Nordosten der USA auf die Versorgungslage jenseits des Atlantiks auswirkt. Dies werden jedoch erst die Daten zeigen, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

24. Februar 2026

USA/Iran: Trump hält Drohkulisse aufrecht

Nachdem Brent und WTI gestern neue 8-Monatshochs markiert hatten, bleiben die Ölfutures auch heute auf hohem Niveau. Die Marktteilnehmer bewerten dabei weiterhin die geopolitischen Risiken im Vorfeld einer weiteren Runde von Atomgesprächen zwischen den USA und dem Iran, während zugleich Unsicherheiten in der US-Handelspolitik die allgemeinen Sorgen verstärken.

„Derzeit treiben eindeutig geopolitische Faktoren die Ölpreise an, wobei das aktuelle hohe Niveau eher auf Erwartungen als auf tatsächliche Lieferausfälle zurückzuführen ist“, erklärt Priyanka Sachdeva, Marktanalystin bei Phillip Nova. „Das Risiko einer möglichen militärischen Eskalation im Nahen Osten gewinnt an Bedeutung, weshalb sich Händler offenbar gegen Worst-Case-Szenarien absichern.“

Die Verhandlungen über ein Atomabkommen sollen am Donnerstag in Genf wieder aufgenommen werden. Erwartet wird, dass Trumps Sondergesandter Steve Witkoff sowie sein Schwiegersohn Jared Kushner erneut indirekt mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi konferieren.

Befürchtungen über die möglichen Folgen eines US-Angriffs auf den Iran haben die Ölfutures in diesem Jahr - trotz der Erwartungen eines weltweiten Überangebots – nach oben getrieben. Die USA haben ihre Militärpräsenz im Nahen Osten zuletzt massiv verstärkt. Zudem ordnete das Außenministerium am Montag die Evakuierung nicht zwingend benötigter Mitarbeiter der US-Botschaft in Beirut an und verstärkte damit die Angst vor einem bevorstehenden Angriff.

„Die Ölmärkte verharren in einer Wartestellung, bis es neue Entwicklungen in der Iran-Frage gibt, wobei mögliche deeskalierende Signale mit einer gesunden Portion Skepsis betrachtet werden“, kommentiert Saul Kavonic, Energieanalyst bei MST Marquee. Der militärische Aufbau der USA habe einen Risikoaufschlag von rund 10 Dollar pro Barrel auf die Preise verursacht, so Kavonic.

Gedanken über die Preisentwicklung macht sich auch Ölmarktstratege Tony Sycamore von der IG. Er sieht Rohöl weiterhin in der durchschnittlichen Handelsspanne von 55 Dollar bis 66,50 Dollar, die schon die letzten 6 Monate geprägt habe. „Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke würde den Weg für weitere Anstiege in Richtung 70 bis 72 Dollar ebnen. Anzeichen einer Deeskalation hingegen dürften eine Korrektur in Richtung 61 Dollar nach sich ziehen“, so Sycamore.

In Sachen Handelspolitik herrscht unterdessen weiter Verunsicherung. US-Präsident Trump warnte am Montag davor, die zuletzt ausgehandelte Handelsabkommen mit den USA infrage zu stellen, nachdem der Oberste Gerichtshof seine Notfallzölle gekippt hatte. Er werde sonst mit noch höheren Zöllen reagieren. Zuvor hatte der EU-Parlament die Umsetzung des Zollabkommens mit den USA auf Eis gelegt.

„US-Präsident Donald Trump hat mit einer neuen Runde von Zollerhöhungen Unsicherheit für das globale Wachstum und die Kraftstoffnachfrage geschaffen“, heißt es von den Analysten der UOB Bank. Da die konjunkturelle Entwicklung eng mit dem Bedarf nach Öl verknüpft ist, belasten die jüngsten Zoll-Verwerfungen die Ölpreisentwicklung auf lange Sicht. Kurzfristig verhindert aber auch hier die erhöhte Unsicherheit am Markt stärkere Abwärtsbewegungen.

23. Februar 2026

USA/Iran: Atomgespräche sollen am Donnerstag weiter gehen

Zum Start in die neue Woche geben die Notierungen an ICE und NYMEX ein gutes Stück nach. Während die in dieser Woche geplanten Gespräche zwischen Teheran und Washington die Risikoprämie etwas verringern, sorgen Donald Trumps neue Zoll-Eskapaden für Verunsicherung und Preisdruck.

Dabei bleiben die Spannungen am Persischen Golf hoch, denn von einer Einigung kann wohl noch lange nicht die Rede sein. Zwar zeigte sich der iranische Außenminister am Wochenende zuversichtlich, dass eine diplomatische Lösung greifbar sei, doch bleiben die Positionen in zentralen Fragen (etwa bei der grundsätzlichen Erlaubnis, Uran anreichern zu dürfen) komplett entgegengesetzt.

Entsprechend bleibt die militärische Drohkulisse aufrecht und die Gefahr eines Militärschlages, mit dem die Trump-Administration in den letzten Wochen immer wieder gedroht hatte, durchaus im Rahmen des Möglichen. „Brent enthält mindestens 10 Dollar Iran-Risikoprämie“, kommentiert Vandana Hari von Vanda Insights die aktuelle Preisentwicklung. „Solange die Drohung möglicher US-Schläge über den diplomatischen Bemühungen schwebt und die in der Region stationierte US-Marinepräsenz als ständige Mahnung wirkt, ist ein deutlicher Preisrückgang schwer vorstellbar“, so die Expertin.

Und auch Haris Khurshid von Karobaar Capital betont die Verwundbarkeit des Marktes. So lange es nur bei Schlagzeilen bleibe, könne der Markt diese verkraften, anders sehe es jedoch bei realen Angebotsausfällen aus. Sollten iranische Exporte beeinträchtigt werden oder es zu glaubwürdigen Störungen in der Straße von Hormus kommen, könne Rohöl rasch wieder teurer werden, vermutet der Analyst.

Durch die Straße von Hormus, eine strategisch bedeutende Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel, werden täglich etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert. Fast alle Produzenten am Persischen Golf sind auf die Wasserstraße angewiesen, so dass schon eine teilweise Störung des Verkehrs – ohne vollständige Blockade – erhebliche Auswirkungen auf die globalen Ölmärkte haben könnte.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs geht unterdessen davon aus, dass der Ölmarkt 2026 im Überschuss bleiben wird – vorausgesetzt, es kommt nicht zu längerfristigen Iranbedingten Lieferausfällen. Zugleich hob die Bank ihre Preisprognosen für Brent und WTI im vierten Quartal 2026 um jeweils 6 Dollar auf 60 beziehungsweise 56 Dollar je Barrel an. Begründet wurde dies mit niedrigeren Lagerbeständen in den OECD-Staaten.

Trotz der geopolitischen Risiken hat sich der sogenannte Time-Spread bei Brent, also die Differenz zwischen dem Frontmonatskontrakt und dem Folgemonat, zuletzt verengt. Am Montag lag sie bei 0,42 Dollar pro Barrel, nachdem sie Ende Januar noch über 1,00 Dollar notiert hatte. Die Terminstruktur befindet sich jedoch auch weiterhin in einer als bullish interpretierten Backwardation.

Zusätzlicher Druck auf die Preise kommt heute von der Zollpolitik aus Washington. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die Zoll-Erlässe der Regierung aus dem letzten Jahr gekippt hatte, erklärte Präsident Trump am Wochenende neue Strafzölle in Höhe von 15% und berief sich dabei auf ein Gesetz aus den 70ern, dass ihm ein solches Vorgehen zumindest temporär erlaubt.

Das Hin und Her verunsichert Anleger und Marktteilnehmer weltweit, da die Verwerfungen im internationalen Handel, die durch Trumps Zoll-Eskapaden ausgelöst werden, die Konjunkturentwicklung belasten. Tony Sycamore, Analyst bei IG Markets, stellt fest, dass die jüngsten Zollnachrichten zu einer erhöhten Risikoaversion geführt hätten, die sich unter anderem in steigenden Goldpreisen und schwächeren US-Aktienfutures widerspiegelten. Dies belaste derzeit auch die Rohölpreise.

In den USA macht man sich unterdessen auf den nächsten Wintersturm bereit. Dieser dürfte diesmal aber vor allem die Ostküste betreffen, so dass sich die Auswirkungen auf die Ölförderung und die Raffinerietätigkeit, die eher im Süden und Mittleren Westen angesiedelt ist, gering bleiben dürfte. Stattdessen kann mit einem Anstieg der Nachfrage nach Mitteldestillaten wie Heizöl und Diesel gerechnet werden, der sich in den kommenden Wochen in den US-Bestandsdaten niederschlagen dürfte.

20. Februar 2026

Trump stellt Iran Ultimatum von 15 Tagen

Die Ölpreise bleiben auch am Freitag im Aufwind und steuern auf ihren ersten Wochengewinn seit drei Wochen zu. Hintergrund sind die wachsenden Sorgen über eine mögliche Eskalation zwischen den USA und Iran. Donald Trump hatte Teheran gestern erneut mit Konsequenzen gedroht, sollte binnen der nächsten Tage keine Einigung über das iranische Atomprogramm erzielt werden.
Schon gestern Abend waren die Notierungen deshalb auf den höchsten Stand seit sechs Monaten gestiegen. US-Präsident Donald Trump hatte mit sehr schlimmen Dingen gedroht, falls der Iran nicht binnen 10 bis 15 Tagen einer Vereinbarung zustimme. Teheran betont immer wieder, sein Atomprogramm diene ausschliesslich friedlichen Zwecken, während die USA militärische Ambitionen vermuten.
Die Rohölpreise haben ein Sechsmonatshoch erreicht, da die Sorge vor möglichen Lieferausfällen an der Strasse von Hormus die Märkte in Alarmbereitschaft versetzt, kommentiert Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova. Nach dem Scheitern mehrerer Gesprächsrunden zwischen Washington und Teheran habe sich der Fokus der Märkte klar auf die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten verlagert.
Durch die Strasse von Hormus an Irans Südküste werden täglich rund 20% der weltweiten Ölversorgung transportiert. Ein Konflikt in der Region könnte das Angebot auf dem Weltmarkt erheblich einschränken und die Preise weiter in die Höhe treiben. Sachdeva weist aber auch darauf hin, dass unter Investoren die Meinungen auseinander gehen, ob es tatsächlich zu militärischen Interventionen und damit zu Unterbrechungen der Lieferketten kommen werde.
Sicher ist, dass die USA zuletzt ihre Militärpräsenz in der Region massiv erhöht haben. Laut Beobachtern handelt es sich um die stärkste Aufrüstung im Nahen Osten seit 2003, dem Jahr des zweiten Irakkriegs. Laut Marktanalyst Robert Rennie von Westpac bleibt ein Kriegsausbruch allerdings eher unwahrscheinlich. Wir gehen weiterhin davon aus, dass Trump vor allem den Druck erhöht, statt unmittelbar militärisch zu handeln, so der Experte.
Am Ölmarkt bleibt die Risikoprämie dennoch erhöht und bearishe Faktoren treten in den Hintergrund. So haben die geopolitischen Entwicklungen aktuell auch die Unsicherheiten über den weiteren Kurs der Fed Zinspolitik zurück gedrängt. Hier hatte das FOMC Sitzungsprotokoll Mitte der Woche gezeigt, dass die Zinsen in den USA wahrscheinlich stabil bleiben werden oder bei anhaltend hoher Inflation sogar weiter steigen könnten. Höhere Zinsen gelten in der Regel als dämpfend für die Ölnachfrage.

19. Februar 2026

Hohe Risikoprämie: USA und Iran halten Drohkulisse aufrecht

Nachdem die Rohölpreise gestern den stärksten Tagesanstieg seit Oktober verzeichnet hatten, stabilisieren sie sich heute auf hohem Niveau. Hintergrund für den Anstieg bleiben die Spannungen um den Iran, wo zwar die Gespräche zwischen Washington und Teheran weitergehen sollen, gleichzeitig aber auch die Militäraktivitäten auf beiden Seiten zunehmen.

So scheint man in den USA laut Bericht des Nachrichtenportals Axios durchaus auf eine Militäraktion vorbereitet zu sein, die laut Insidern zu einer mehrere Wochen dauernden Kampagne werden könnte. Die Regierung in Israel dränge demnach auf einen Regimewechsel in der Islamischen Republik und würde sich deshalb offenbar an entsprechenden Angriffen beteiligen. Washington hatte zuletzt eher auf Kooperation mit der bestehenden Regierung im Iran gesetzt.

Die bisherigen Gespräche, bei denen es vor allem um das iranische Atomprogramm ging, hatten keine echten Ergebnisse gebracht, obwohl es aus Teheran hieß, man habe mit Washington eine „grundsätzliche Einigung“ über die Bedingungen eines möglichen Atomabkommens erzielt. Ein US-Vertreter teilte mit, die iranischen Unterhändler wollten in zwei Wochen mit einem neuen Vorschlag nach Genf zurückkehren.

Dennoch bleiben die Spannungen in der Region hoch und die Drohkulisse real. Helima Croft von RBC Capitals warnt, das Scheitern bei zentralen Streitpunkten erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer erneuten militärischen Konfrontation. Auch Experten der ANZ sehen Risiken für den Ölmarkt: Eine weitere Eskalation könnte den Schiffsverkehr in der Straße von Straße von Hormus beeinträchtigen. Rund 20 % des weltweiten Ölverbrauchs werden über diese Meerenge transportiert.

„Die Spannungen zwischen Washington und Teheran bleiben hoch, doch die vorherrschende Einschätzung ist, dass ein umfassender bewaffneter Konflikt unwahrscheinlich ist, was eine abwartende Haltung begünstigt“, zeigt sich Hiroyuki Kikukawa von Nissan Securities etwas optimistischer. US-Präsident Donald Trump wolle keinen starken Anstieg der Rohölpreise; selbst im Falle militärischer Maßnahmen sei eher mit begrenzten, kurzfristigen Luftschlägen zu rechnen, so der Experte.

Unterdessen endeten die zweitägigen Friedensgespräche in Genf zwischen der Ukraine und Russland ohne Durchbruch. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau erneut vor, die von den USA vermittelten Bemühungen zur Beendigung des seit vier Jahren andauernden Krieges zu verzögern. Der Vorwurf ist nicht neu und zeigt, dass sich Gespräche offenbar kaum vorwärts kommen und sich eher im Kreis drehen.

Kurzfristig wartet man am Ölmarkt heute noch auf die DOE-Bestandsdaten, die aber wegen des President’s Day am Montag mit Verspätung erscheinen. So werden die offiziellen Daten des US-Energieministeriums erst heute am frühen Abend erscheinen. Sollten sie den bullishen Ton der API-Daten von gestern bestätigen, könnte es noch einmal zu einem Preisanstieg an den Börsen kommen.

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