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23. Juni 2026
US-Sanktionsausnahmen für Iran – Wie stabil ist die Lage am Persischen Golf?
Der Fokus am Ölmarkt bleibt auf den Persischen Golf und den Iran-Konflikt gerichtet. Während die Marktteilnehmer weiterhin auf belastbare Signale hoffen, dass sich die Ölexporte durch die Straße von Hormus nach den jüngsten Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran nachhaltig normalisieren, haben die USA gestern die Sanktionen gegen den Iran gelockert (22.06.2026 USA lockern vorläufig erste Sanktionen gegen Irans Ölsektor).
Mit dieser auf 60 Tage befristeten Ausnahme, die damit über den Zeitraum der veranschlagten Friedensverhandlungen gilt, ist der Verkauf von iranischem Öl und Ölprodukten vorläufig wieder erlaubt. Die US-Regierung begründete den Schritt mit den „konstruktiven Gesprächen“ in der Schweiz und verschafft Teheran damit eine wichtige wirtschaftliche Entlastung.
Sowohl von amerikanischer, als auch von iranischer Seite hieß es, man habe bei den Verhandlungen vom Wochenende Fortschritte auf dem Weg zu einem dauerhaften Abkommen gemacht. Gleichzeitig wurden aber auch wieder tiefliegende Differenzen sichtbar. So erklärte etwa US-Vizepräsident JD Vance, der Iran habe zugestimmt, der internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) wieder Zugang zu ermöglichen. Der Iran dementierte und gab an, man habe überhaupt nicht über Atomfragen gesprochen.
Trotz allem hat das Ölangebot aus der Golfregion zuletzt wieder zugenommen. Produzenten wie Kuwait, Saudi-Arabien und die VAE haben alternative Wege gefunden, ihre Energielieferungen auf den Markt zu bringen. Auch der Iran exportierte in der vergangenen Woche mehr als 30 Mio. Barrel Rohöl (22.06.2026 Iran fährt Rohölexporte durch Straße von Hormus stark hoch).
„Die Zahl der Durchfahrten hat in den vergangenen Tagen offenbar deutlich zugenommen. Der Markt wertet dies als Indikator für Fortschritte sowohl bei den physischen Öllieferungen als auch auf diplomatischer Ebene“, kommentiert Neil Crosby, Forschungschef des Analysehauses Sparta Commodities. Solange sich die Lage nicht grundlegend ändere, dürfte die derzeitige Stimmung aus Risikoaversion und vorsichtigem Optimismus anhalten.
Ölmarktexpertin Rebecca Babin von CIBC Private Wealth mahnt jedoch zur Vorsicht. Zwar gebe es Fortschritte in den Verhandlungen, bis zu einer endgültigen Einigung sei der Weg jedoch noch weit. Der Markt könnte einen künftigen Angebotsüberschuss bereits vorwegnehmen – ähnlich wie zuvor ein Defizit eingepreist worden sei, bevor tatsächlich Fördermengen ausfielen. „Der Ölmarkt neigt dazu, über das Ziel hinauszuschießen“, so die Analystin.
Tatsächlich steht das vorläufige Abkommen, auf das sich die USA und Iran letzte Woche einigen konnten, weiterhin auf sehr wackligen Beinen. Der Iran hat mit der Blockade der Straße von Hormus bewiesen, dass er ein sehr wirksames Druckmittel in der Hand hat und nicht davor zurückschreckt, dieses auch einzusetzen. Gleichzeitig ist diplomatisches Verhandeln unter der Regierung Trump nicht gerade die Kernkompetenz, so dass die Gespräche tatsächlich jederzeit wieder abgebrochen werden könnten.
„An den Märkten überwiegt weiterhin eine erhebliche Skepsis, die auf dem tief verwurzelten Misstrauen zwischen Washington und Teheran basiert“, meint deshalb auch Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade. Eine Rückkehr zu den Ölpreisen vor Ausbruch des Konflikts dürfte daher eher schrittweise als unmittelbar erfolgen.
Die Fortschritte im Friedensprozess spiegeln sich inzwischen auch an den Terminmärkten wieder. Die sogenannten Timespreads – die Preisunterschiede zwischen dem Frontmonatskontrakt und den Kontrakten, die weiter in der Zukunft liegen – haben sich weiter verringert, so dass die als bullish geltende Backwardation-Konstellation sich deutlich abgeschwächt hat. Der Markt signalisiert damit, dass die akute Unterversorgung in einigen Monaten kaum noch spürbar sein dürfte. Bei den Nahost-Rohölsorten Dubai und Murban ist die Marktstruktur bereits in ein Contango übergegangen, das als die „normale“ Konstellation gilt, die auf einen ausgeglichenen Markt hinweist.
22. Juni 2026
Schwieriger Friedensprozess: Neue Hormus-Sperrung und Trump-Drohungen
Auch in dieser Woche bleiben die Entwicklungen im Persischen Golf das zentrale Thema für den Ölmarkt. Nach einem turbulenten Wochenende mit einer möglichen neuen Blockade der Straße von Hormus und neuen Drohungen des US-Präsidenten in Richtung Teheran, sorgen heute die überraschend konstruktiven Gespräche in der Schweiz dafür, dass die Kurse an ICE und NYMEX nachgeben.
Am Sonntag starteten die ersten Verhandlungen zwischen USA und Iran nach der Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding“ und brachten unerwartet erste Ergebnisse. Nach Angaben Katars und Pakistans, die die Gespräche in der Schweiz vermitteln, haben sich die Parteien auf einen Fahrplan zur Erreichung eines endgültigen Abkommens innerhalb von 60 Tagen geeinigt. Die Verhandlungen sollen die Woche über fortgesetzt werden.
Mit einem solch konstruktiven Tonfall hätte man kurz zuvor wohl kaum gerechnet, denn die Spannungen zwischen den Kriegsparteien waren in den letzten Tagen wieder deutlich aufgeflammt. Am Samstag gipfelten sie in eine neuerliche Sperrung der Straße von Hormus und Angriffsdrohungen des US-Präsidenten. Dennoch lobte der iranische Außenminister Abbas Araghchi heute auf X die Vermittlungsbemühungen in der Schweiz und sagte, sie hätten bedeutende Fortschritte bei der Beendigung des Konflikts im Libanon ermöglicht.
„Die hochrangigen Gespräche […] scheinen gewisse Fortschritte gebracht zu haben", meint auch IG-Marktanalyst Tony Sycamore. „Ob diese Schritte jedoch zu greifbaren Ergebnissen vor Ort führen werden, bleibt abzuwarten – insbesondere im Südlibanon, wo sowohl Israel als auch die Hisbollah offenbar entschlossen sind, ihren Konflikt fortzusetzen.“ Auch bei der ING äußert man sich zurückhaltend: „Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Weg zu einem dauer-haften Abkommen schwierig sein wird. Während der 60-tägigen Waffenruhe besteht ein erhebliches Risiko eines erneuten Aufflammens der Kämpfe“.
Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia ist sogar der Meinung, dass „die Märkte die Aussicht auf eine nachhaltige Wiederaufnahme der Öllieferungen aus dem Nahen Osten weiterhin zu optimistisch einschätzen“. Unsicherheiten hinsichtlich der Fördermengen sowie die Frage, ob Reedereien bereit seien, in die Region zurückzukehren, dürften den Ölfluss weiterhin beeinträchtigen, so der Analyst.
Ein Friedensabkommen könnte theoretisch zu einem deutlichen Anstieg des Ölangebots führen, während die Nachfrage derzeit eher schwach ausfällt – insbesondere angesichts des Rückgangs der Käufe durch den weltweit größten Importeur China. Sollte die Straße von Hormus vollständig wieder geöffnet werden, könnten schlagartig rund 80 Mio. Barrel Rohöl auf den Markt gelangen (18.06.2026 Löst Hormus-Öffnung Ölschwemme in Asien aus?).
19. Juni 2026
Verhandlungen über finales USA/Iran-Abkommen starten später
Die Marktteilnehmer versuchen derzeit weiterhin, die Auswirkungen der Mitte der Woche unterzeichneten Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran auf die Ölströme im Golf abzuschätzen. Darüber hinaus bleibt die Frage, wie lange das vorläufige Abkommen halten wird und ob es den USA und dem Iran tatsächlich gelingt, daraus binnen 60 Tagen ein endgültiges Abkommen zu machen.
Das Zentralkommando der US-Streitkräfte in der Region (CENTCOM) gab am Donnerstag an, die Seeblockade für Schiffe, die an iranischen Häfen an oder ablegen wollen aufgehoben zu haben und einige Schiffe konnten die Strasse von Hormus auch schon wieder passieren.
Während die ersten Länder am Persischen Golf die Fördermengen sogar schon wieder steigern, oder dies zumindest ankündigen, versuchen die Marktteilnehmer noch, die Menge an Öl einzuschätzen, die unmittelbar auf dem Markt verfügbar sein könnte, so der Analyst Andy Lipow von Lipow Oil Associates. Aber die Märkte fragen sich: ‚Wie lange wird es tatsächlich dauern, bis die Lieferkette wieder einigermassen zur Normalität zurückkehrt?, fügt Lipow hinzu. Die Erwartungen der Experten diesbezüglich variiert dabei stark, während die weltweiten Ölreserven weiter sinken.
Bei der Bank BNP Paribas rechnet man derzeit nicht mit einer Rückkehr der Ölpreise zu den Niveaus, auf denen sie vor dem Iran Krieg lagen. Die Analysten der Bank sehen die Preismarke von 75 US-Dollar pro Barrel in einer Mitteilung als dauerhafte Untergrenze für die absehbare Zukunft. Diese Einschätzung begründen sie mit anhaltenden Ausfällen bei der Versorgung und einer höhere Nachfrage. Der Durchschnittspreis der Nordsee-Rohölsorte Brent hatte im Februar also vor Kriegsbeginn noch bei rund 69,40 Dollar gelegen (nach Settlementpreisen).
Zum Ende der Woche kommt nun auch wieder die Frage auf, wie lange die Strasse von Hormus überhaupt offen bleibt. Da nämlich im Libanon zwischen den israelischen Streitkräften und der Hisbollah-Miliz immer noch keine Waffenruhe herrscht, könnte das vorläufige Friedensabkommen schon zerbrechen, bevor die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zwischen den USA und Iran überhaupt wirklich in Gang kommen. So wurde die erste Gesprächsrunde für das finale Abkommen, die heute im schweizerischen Bürgenstock stattfinden sollte, Medienberichten zufolge bereits verschoben, da der Iran in der Absichtserklärung eine Waffenruhe an allen Fronten - also auch im Libanon gefordert hatte.
18. Juni 2026
USA/Iran-Abkommen bereits unterzeichnet
Nachdem die Präsidenten der USA und des Iran die Absichtserklärung zwischen den beiden Ländern nun offenbar schon früher unterzeichneten, als Anfang der Woche angekündigt, geben die Futures an den Ölbörsen heute Morgen wieder nach. Schließlich bedeutet die Unterzeichnung nicht nur eine Einstellung der Kampfhandlungen, sondern auch die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr. Ein endgültiges Abkommen soll nun binnen 60 Tagen ausgehandelt werden.
"Obwohl die Märkte bereits mit einer schrittweisen Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus rechneten, bestand weiterhin ein erhebliches Risiko, dass die Verhandlungen in letzter Minute scheitern würden. Dieses Abkommen reduziert dieses extreme Risiko erheblich", erklärte Rajeev De Mello, Fondsmanager bei Gama Asset Management, die erneute Abwärtsreaktion gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Bereits seit Ende Februar war die wichtige Meerenge nahezu vollständig blockiert. Laut EIA und IEA dürfte eine nachhaltige Erholung der Öllieferungen, die über die Straße von Hormus abge-wickelt werden, im kommenden Jahr allerdings zu einem beträchtlichen Angebotsüberschuss führen. Während die EIA diesen in ihrem aktuellen Monatsbericht bei etwa 4 Mio. B/T sieht, geht die IEA sogar von 5 Mio. B/T aus. Haris Khurshid, Chief Investment Officer von Karobaar Capital LP, gibt jedoch auch zu bedenken: "Das Erzielen einer Einigung war der einfache Teil – der schwierigere Teil ist es, auszumachen, inwieweit die Störungen der letzten Monate von Dauer bleiben werden." Einige Änderungen (wie z.B. Exportrouten), die während der Blockade der Meerenge vorgenommen wurden, dürften laut Khurshid durchaus länger beibehalten wer-den.
Die weltweiten Ölbestände, die aufgrund der Angebotsausfälle aus einigen Ländern der Golfregion gesunken sind, dürften in naher Zukunft erst einmal noch unter Druck bleiben. Auch in den USA spiegelt sich der Rückgang des Angebots von Rohöl aus dem Nahen Osten in der Versorgungslage wieder. So gaben die landesweiten Rohölvorräte der USA vergangene Woche erneut beträchtlich nach und im Zentrallager in Cushing, Oklahoma, sind die Bestände mittlerweile so niedrig, dass der Betrieb des Lagers erschwert wird. Abhängig davon, wie lange die Erholung der Lieferströme über die Straße von Hormus dauert, könnte dies Experten zufolge auch die Rohölexporte der USA beeinträchtigen.
Im heutigen Tagesverlauf könnte unterdessen der festere Dollar die Ölpreise unter Druck bringen. Der Greenback hatte gestern Abend gegenüber dem Euro bereits einen Kurssprung ver-zeichnet. Zwar nahm die Fed wie erwartet bei ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung noch keine Zinsanhebung vor, allerdings machte der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh deutlich, dass man gegen die hohe Inflation ankämpfen wolle. Darüber hinaus deuteten die aktuellen Prognosen der Fed-Mitglieder darauf hin, dass im laufenden Jahr noch mit einer Zinsanhebung zu rechnen ist.
17. Juni 2026
US-Rohölvorräte laut API achte Woche in Folge gesunken
Erstmals seit Anfang März lag das Settlement von Brent gestern wieder unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 80 Dollar pro Barrel. Und zumindest aktuell sieht es an den Ölbörsen so aus, als könnte der Preis der Nordsee-Rohölsorte heute noch weiter sinken.
Wir erleben eine massive Flucht der Investoren aus dem Markt, kommentiert Analyst Stephen Schork von der Schork Group den Preisrückgang, der sich seit der Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran, die am Wochenende schliesslich bestätigt wurde, an den Ölbörsen ergeben hat. So wie wir zu Beginn des Konflikts im Nahen Osten einen regelrechten Kaufrausch erlebt haben, geschieht nun genau das Gegenteil, führt Schork aus. Seine Kollegin von Phillip Nova, Priyanka Sachdeva verweist derweil auf die geopolitische Risikoprämie, die die Marktteilnehmer seit Beginn des Iran-Kriegs eingepreist hatten und nun wieder auspreisen.
Hauptgrund dafür ist, neben der Einigung an sich, die Hoffnung am Markt, dass die Öllieferungen über die Strasse von Hormus bald wieder deutlich zunehmen, wenn die Meerenge am Freitag wie angekündigt wieder geöffnet wird. Das wichtige Nadelöhr, über das vor dem Krieg täglich Öllieferungen im Umfang von rund 21 Mio. Barrel abgewickelt wurden, soll freigegeben werden, sobald die Absichtserklärung ebenfalls am Freitag von den USA und dem Iran unterzeichnet wurde. Das schweizerische Aussenministerium gab gestern bekannt, dass die Unterzeichnung voraussichtlich in Bürgenstock bei Luzern stattfinden werde.
Im Hinblick auf die erwartete Öffnung der Strasse von Hormus gibt Parash Jain allerdings zu bedenken: Wir sprechen von einer schrittweisen Wiederaufnahme, nicht von einer sofortigen Rückkehr zur Normalität. Der Leiter der Transport und Logistikforschung bei HSBC Holdings Plc weltweit fügt in einem Interview mit Bloomberg Television hinzu: Das Letzte, was die Reedereien wollen, ist, zwei Monate damit zu verbringen, alle Schiffe umzuleiten, nur um dann zu erfahren, dass sie sie eigentlich wieder auf die ursprüngliche Route zurückverlegen müssen.
Denn es gibt immer noch einige Faktoren, die eine Öffnung der wichtigen Meerenge doch noch verhindern könnten, wie zum Beispiel Israels Militäroperationen im Libanon. Erst gestern hatte der iranische Aussenminister noch einmal betont, dass der Iran ein Abkommen ohne einen vollständigen Rückzug Israels aus dem Libanon, von wo aus die vom Iran unterstützte Hisbollah Miliz agiert, als hinfällig betrachte. US-Präsident Trump fühlte sich diesbezüglich gestern sogar genötigt, Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem Interview am Rande des G7-Gipfels zur Zurückhaltung im Libanon aufzufordern.
16. Juni 2026
Analysten: Vorkriegsniveau erst in Monaten erreichbar
Nach dem Preisrutsch zum Wochenstart, mit dem der Ölmarkt das vorläufige Abkommen zwischen USA und Iran quittierte, bleiben die Anleger nun erst einmal wieder vorsichtig. Zwar überwiegt die Hoffnung auf ein Ende des Konfliktes, doch gleichzeitig sind bisher nur wenige Details zum Abkommen bekannt, während die Marktbeobachter gleichzeitig fürchten, dass die Rückkehr der Exporte durch die Straße von Hormus länger dauern wird als erhofft.
Bislang wurden die vollständigen Inhalte des „Memorandum of Understanding“ noch nicht bekannt gegeben und auch eine dauerhafte Waffenruhe ist noch nicht ausgehandelt. Das Dokument soll am Freitag in der Schweiz von beiden Seiten unterzeichnet werden. Weder Washington noch Teheran haben den Text der Absichtserklärung bislang veröffentlicht.
Unsicherheit herrscht am Markt vor allem bezüglich der Straße von Hormus. US-Präsident Trump beharrte gestern darauf, die Schifffahrtsroute werde bis Freitag wieder uneingeschränkt nutzbar sein. „Wir haben bereits jetzt viele Fahrspuren geöffnet“, sagte er beim G7-Gipfel in Frankreich. „Die Passage wird offen sein und es werden keine Gebühren erhoben.“ Er widersprach damit Meldungen aus dem Iran, denen zufolge das von Teheran eingeführte Mautsystem bleiben solle.
„Die Tücken könnten im Detail liegen. Solange all diese Details nicht bekannt sind, dürfte der Markt bei einem weiteren Abbau der Risikoprämie an den Energiemärkten vorsichtig bleiben“, kommentiert Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade.
Zeitgleich signalisieren Reedereien und Händler gleichermaßen, sie benötigten mehr Planungssicherheit, bevor sie ihre Schiffe wieder auf der Nahost-Route einsetzen. Energieverantwortliche aus den Golf-Anrainerstaaten berichten unterdessen von einer Flut an Kundenanfragen, die wissen wollten, ob und wenn ja wann Rohöl wieder durch die Meerenge transportiert werden könne.
Diese Frage ist allerdings nicht ganz einfach zu beantworten. Selbst bei Inkrafttreten der aktuellen Vereinbarung bleibt unklar, wie schnell die eingeschränkten Liefermengen wieder auf den Markt zurückkehren können. Klar scheint nur, dass die Rückkehr zur Normalität – sofern sie denn überhaupt möglich ist – eher länger als kürzer dauern wird.
„Der Weg zurück zu normalen Versorgungsströmen ist alles andere als einfach“, fasst Tony Sycamore von IG die Lage zusammen. Die Räumung von Seeminen, die Wiederherstellung eines umfassenden Versicherungsschutzes für die Schifffahrt sowie die Bereitschaft von Reedereien und Besatzungen, in die Golfregion zurückzukehren, würden Zeit in Anspruch nehmen. Gleiches gelte für die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Förderanlagen und die Reparatur beschädigter Infrastruktur in der Region.
Inmitten all dieser Unsicherheiten fällt die fundamentale Einschätzung der Marktlage damit heute neutral aus. Während die Einigung auf ein Abkommen grundsätzlich ein Erfolg ist, werden sich die bestehenden Versorgungsprobleme nicht innerhalb weniger Tage und Wochen in Luft auflösen.
15. Juni 2026
USA und Iran einigen sich auf vorläufiges Abkommen
Die Ölpreise sind am Montag deutlich gefallen, nachdem die USA und der Iran gestern erklärt hatten, eine erste Vereinbarung zur Beendigung des Krieges und zur Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus erzielt zu haben. Brent und WTI rutschten damit zum Wochenstart auf den tiefsten Stand seit März ab.
Nach Angaben des pakistanischen Premierministers, dessen Land als Vermittler zwischen den Konfliktparteien fungiert hatte, werden die USA und der Iran am Freitag in der Schweiz eine Absichtserklärung unterzeichnen. Der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte, der Wortlaut der Vereinbarung werde erst nach der Unterzeichnung veröffentlicht.
Während Trump die Einigung mit den Worten „Lasst das Öl wieder fließen!“ begrüßte, reagierten Händler und Analysten deutlich zurückhaltender. Sie verwiesen auf fehlende Details zum Abkommens, die Herausforderungen für die Schifffahrtsbranche bei der Wiederaufnahme der Durchfahrt durch die Straße von Hormus sowie den langen Zeitraum, der erforderlich sei, um die Ölproduktion wieder hochzufahren.
Schon in den letzten Wochen und Monaten hatten die Produzenten in der Region immer wieder gewarnt, dass eine vollständige Wiederherstellung der Fördermengen aufgrund technischer und geologischer Schwierigkeiten sowie infrastruktureller Schäden mehrere Monate in Anspruch nehmen könnte.
„Wir müssen zunächst verstehen, was diese Vereinbarung tatsächlich bedeutet“, kommentiert Marktexperte Chris Weston von der Pepperstone Group, gerade im Bezug auf die Straße von Hormus. „Selbst wenn die Meerenge am Freitag wieder geöffnet wird, könnten noch Minen vorhanden sein und Versicherer könnten hohe Prämien verlangen“, so Weston.
Bis der Verkehr durch die Straße von Hormus vollständig wieder aufgenommen werden kann, dürften tatsächlich noch einige Hindernisse zu überwinden sein. So bestätigte Donald Trump selbst, dass aktuell noch Minen in der Meerenge geräumt werden müssten. Zudem bleibt abzuwarten, wie bereitwillig der Iran auf sein zuletzt schon recht weit vorangetriebenes Mautsystem verzichten wird.
Dennoch überwiegt am Ölmarkt heute die Erleichterung, dass zumindest wieder große Schritte in die richtige Richtung gemacht wurden. Laut Tim Waterer von KCM Trade werde die zuvor in den Ölpreisen enthaltene geopolitische Risikoprämie nun „recht aggressiv abgebaut“. Die Händler preisten zunehmend die Aussicht auf eine Wiederherstellung der Öllieferungen ein.
Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia weist zudem darauf hin, dass es schon ausreichend wäre, wenn die Öllieferungen durch die Straße von Hormus nur 60% bis 70% des Vorkriegsniveaus erreichen würden, um den Ölmarkt wieder in die vor dem Krieg erwartete Überversorgung zurückzuführen. Damit wird der bullishe Effekt der noch bestehenden Marktunsicherheiten deutlich abgeschwächt.
12. Juni 2026
Trump bläst angekündigte Angriffe auf Iran ab
Der Brent Rohölkontrakt startete an der ICE heute das erste Mal seit April wieder unterhalb von 90 Dollar, nachdem US-Präsident Trump am Donnerstagabend mitteilte, dass ein Abkommen mit dem Iran nur noch unterzeichnet werden müsse. Was Trumps nicht neuer Behauptung, dass ein Deal mit der Islamischen Republik quasi schon unter Dach und Fach sei, Gewicht verlieh, war die Absage weiterer Angriffe des US-Militärs auf Ziele im Iran, die er erst am Nachmittag angekündigt hatte.
Die für den Ölmarkt wichtigste erhoffte Folge eines Abkommens wäre die Freigabe der Strasse von Hormus, die die iranische Militärführung gestern infolge von neuen US-Angriffen wieder für komplett gesperrt erklärte. Die Meerenge wird offiziell geöffnet, sobald wir unterzeichnen was bald, sehr bald geschehen könnte, womöglich am Wochenende in Europa, so Trump zum Thema.
Die Blockade der strategisch wichtigen Meerenge, durch die vor dem Kriegsbeginn täglich rund 21 Mio. Barrel Öl verschifft wurde, hat die Ölversorgung aus der Golfregion erheblich beeinträchtigt. Und auch wenn es zuletzt zu einem Anstieg der Ölexporte über die Strasse von Hormus kam und die Ölproduzenten aus der Region versuchen, ihre Ausfuhren über alternative Exportrouten zu steigen, ist man laut dem Analysten Homayoun Falakshahi vom Informationsdienstleister Kpler noch weit von den Transitvolumina der Vorkriegszeit entfernt, sodass die Meerenge im Fokus der Marktteilnehmer bleibt.
Und während der Sprecher des iranischen Aussenministeriums Trump widerspricht und meint, einige Kernpunkte des Abkommens müssten noch geprüft werden, bleiben die Preise abhängig von den jeweils neuesten Schlagzeilen und Preissprünge jederzeit möglich. Die hohen Preisniveaus lasten derweil auf den Beständen, was sich auch im aktuellen Monatsbericht widerspiegelte, den die OPEC am Donnerstagnachmittag herausgab. Demnach gingen die Ölbestände der OECD-Länder im April im Vergleich zum Vormonat um 48 Mio. Barrel zurück und lagen mit 53,7 Mio. Barrel auch deutlich unter dem entsprechenden 5 Jahres-Durchschnitt.
Die Freigabe von strategischen Beständen scheint bislang noch nicht zu verhindern, dass die Verbraucherpreisinflation wieder deutlich anzieht. Dies wiederum ruft die Notenbanken auf den Plan. So hob die EZB gestern wie erwartet die Leitzinsen um 25 Basispunkte an, um der zunehmenden Verbraucherpreisteuerung entgegenzuwirken. Von der Fed erwartet sich der Markt zwar erst Ende des Jahres eine erste Zinsanhebung, insgesamt wirkt die Aussicht auf steigende Zinsen jedoch als tendenziell bearisher Faktor für die Ölpreise, da höhere Zinsen auch die Kreditkosten der Ölproduzenten steigen lassen. Während dieser Effekt etwas länger braucht, um sich durchzusetzen, könnte sich die Beeinträchtigung der Nachfrage durch die immer noch verhältnismässig hohen Ölpreise schneller durchsetzen, beispielsweise bei der Entwicklung der US-Nachfrage in der Sommer-Fahrsaison.
11. Juni 2026
Iran spricht nach zweiter Angriffswelle der USA von Hormus Vollsperrung
Nachdem die Rohölpreise an den Ölbörsen am Mittwochvormittag noch auf den niedrigsten Stand seit etwa drei Wochen gerutscht waren, wurden sie durch die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran seit Mittwochnachmittag wieder um mehrere Dollar nach oben katapultiert. So notierte Brent heute zeitweise schon wieder oberhalb der psychologisch wichtigen 95 Dollar Marke, während WTI wieder weit oberhalb von 90 Dollar gehandelt wird.
Geht die EIA in ihrem aktuellen Monatsbericht, der am Dienstagabend erschien, noch davon aus, dass sich die Ver-sorgungslage am weltweiten Ölmarkt rasch normalisieren werden, sobald der Konflikt beendet und die Strasse von Hormus wieder frei ist, so ist die wichtige Meerenge zumindest nach Angaben der iranischen Militärführung - nun erst einmal komplett gesperrt. Dies schürt bei den Marktteilnehmern die Befürchtungen, dass die Unterbrechung der über die Wasserstrasse abgewickelten Öllieferungen länger anhalten könnten als erhofft.
Zwar erklärte US-Präsident Trump am gestrigen Mittwoch, die US-Streitkräfte hätten eine geheime Mission durch-geführt, die den Transport von 100 Millionen Barrel durch die Meerenge ermöglicht habe, und von einer Vollsper-rung der Strasse von Hormus will das US-Zentralkommando im Nahen Osten nichts wissen, der Markt preist ange-sichts der erneut gestiegenen Spannungen aber dennoch wieder einen höheren Risikoaufschlag ein.
Unterdessen greifen Staaten weiterhin auf ihre Rohölreserven zurück, um den Preisanstieg zu bremsen. So haben die USA in den vergangenen Monaten umfangreiche Mengen aus den strategischen Ölreserven (SPR) freigegeben. Laut DOE nahmen die SPR in der Woche zum 5. Juni erneut beträchtlich ab und könnten bereits kommende Woche den niedrigsten Stand seit über 40 Jahren verzeichnen, sollten sie in dem Tempo weiter sinken. Aber nicht nur die USA, auch China zapft seine Vorräte an, was die Rohölimporte des Landes dezimiert.
Laut Analyst Tamas Varga von PVM ist die Mehrheit der Marktteilnehmer zwar überzeugt, dass das weltweite Ölan-gebot im Verhältnis zur Nachfrage nicht in ein unbewältigbares Defizit abrutschen wird, sein Fachkollege Robert Yawger befürchtet hingegen, dass wir uns einem Wendepunkt nähern, der den Preis pro Barrel wieder über die symbolische Marke von 100 Dollar treiben könnte.
10. Juni 2026
Hubschrauberabschuss führt zu gegenseitigen Vergeltungsschlägen der USA und Irans
Erst am Montag hatte US-Präsident Trump noch einmal bekräftigt, dass es bald ein Abkommen mit dem Iran geben dürfte. Am Dienstagabend ordnete er dann einen Vergeltungsschlag gegen den Iran an, da der Iran hinter dem Abschuss eines Militärhubschraubers in der Nähe der Straße von Hormus vermutet wurde. Die Reaktion Teherans folgte auf dem Fuße und so zeigt sich wieder einmal, wie fragil die Lage im Nahen Osten immer noch ist, auch wenn es nach den gegenseitigen Angriffen Israels und Irans vom Wochenende Anfang der Woche zumindest kurzzeitig noch nach einer Entspannung aussah.
Wie stark die Preise der Kontrakte an ICE und NYMEX heute noch steigen, bleibt abzuwarten. Der Preissprung, den die Kontrakte am frühen Dienstagabend vollzogen, reichte nicht aus, um die vorangegangenen Verluste vollständig einzuholen. Allerdings dürften viele europäische Trader da auch bereits im Feierabend gewesen sein. "Die Angriffe unterstreichen einmal mehr, dass ein Abkommen mit dem Iran weiterhin in weiter Ferne liegt", meint Analyst Saul Kavonic von MST Marquee zu den jüngsten Ereignissen, der jedoch anfügt: "Der Markt schöpft jedoch etwas Zuversicht daraus, dass die Angriffe verhältnismäßig bleiben und keinem umfassenden Angriff gleichkommen, was darauf hindeutet, dass der Wille, ein Abkommen dem Krieg vorzuziehen, weiterhin besteht."
Die EIA geht in ihrem aktuellen Monatsbericht, den sie am frühen Dienstagabend veröffentlichte, davon aus, dass die Beeinträchtigung des internationalen Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus das globale Angebot wohl stärker in Mitleidenschaft ziehen dürfte, als bisher erwartet. Für das laufende Jahr rechnet die Behörde mittlerweile mit einem Angebotsdefizit von -3,9 Mio. B/T, was deutlich gravierender ist als die Unterversorgung von -1,3 Mio. B/T, die noch im Monatsbericht von Mai prognostiziert worden war.
Allerdings erwartet die EIA auch eine rasche Erholung des Marktes, ist der Konflikt erst einmal gelöst und die Meerenge wieder gut befahrbar. Für 2027 stellt die Behörde daher einen Angebotsüberschuss von +4 Mio. B/T in Aussicht, statt der im Mai-Report noch erwarteten +0,1 Mio. B/T. Wirklichen Auftrieb gab der aktuelle Monatsbericht der EIA den Ölpreisen gestern daher nicht, zumal die bullishen Faktoren von den Marktteilnehmern im Vorfeld auch schon weitestgehend eingepreist gewesen sein dürften.
Wie sich die Angebotslage in den USA auf kurze Sicht zuletzt entwickelt hat, wird heute um 16:30 Uhr der Wochenbericht des DOE zeigen. Das API meldete gestern in seinen Schätzungen einen weiteren nennenswerten Rückgang bei den landesweiten Rohölvorräten, was erneut mit umfangreichen Exporten zusammenhängen könnte. Eindeutige Aufschlüsse über die Entwicklung der US-Nachfrage in der vergangenen Woche lassen die API-Daten nicht zu.


